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Fühler, Augen und Rüssel werden detailliert unten beschrieben. Die Palpen sind sogenannte Lippentaster, sie sind bei Schmetterlingen behaart und dienen als Geschmacksorgan. Schmetterlinge haben außer dem Rüssel keine "Werkzeuge" zur Nahrungsaufnahme. Viele Spinnerarten sind überhaupt außerstande, Nahrung aufzunehmen. Sie paaren sich bereits innerhalb weniger Tage oder Stunden nach dem Schlüpfen und sterben sodann.

 

Mit dem Rüssel nimmt der Schmetterling Flüssigkeiten zu sich - er trinkt Wasser, Nektar, den Saft heruntergefallener Äpfel und Birnen oder von verletzten Bäumen, wie eine Schmeißfliege steckt er seinen Rüssel sogar in tierischen Kot, aus welchem er noch Nährstoffe gewinnen kann. Im Ruhezustand befindet sich der Rüssel zusammengerollt am vorderen Kopfende, er kann bei Bedarf mittels der darin befindlichen Muskelstränge elastisch ausgerollt und nach vorne gestreckt werden. Der Rüssel kann bei Nachtfaltern, besonders bei Schwärmern die beachtliche Länge von etwa 15cm erreichen. Damit können die Schwärmer den Nektar von Blüten mit tiefen Kelchen erreichen, üblicherweise tun sie das, indem sie mit raschem Flügelschlag in der Luft schwebend von den Blüten naschen ohne sich darauf niederzulassen. Dies scheint insoferne die einfachste Art der Nahrungsaufnahme zu sein, da die Blüten durch das Gewicht der relativ schweren Nachtfalter abknicken oder sogar abreissen würden.

 

Die Sinnesorgane der Insekten:

Wie die Säugetiere besitzen auch die Insekten Sinnesorgane, welche teilweise noch empfindlicher als jene der Säugetiere reagieren. Zum Beispiel kann das Auge der Fliege rund 200 Bilder pro Sekunde wahrnehmen, während der Mensch lediglich 24 Bilder pro Sekunde wahrnimmt. Das bedeutet, dass die Fliege selbst geringfügigste Bewegungen bemerkt und analog zur Aufnahmefähigkeit reagieren kann.
Insekten besitzen sogenannte Komplexaugen, diese unterscheiden sich in Appositionsaugen und Superpositionsaugen, sie setzen sich aus vielen einzelnen Linsensystemen (Omatidien) zusammen. Die Anzahl der Omatidien pro Auge entscheidet über die Schärfe der Abbildung. Apposition ist die Fähigkeit des Auges, durch Veränderung der Linsenkrümmung unterschiedlich weit entfernte Objekte scharf auf der Retina abzubilden, vor allem Tagfalter sind mit solche Augen ausgestattet. Superpositionsaugen haben zwar weitgehend den gleichen Aufbau wie Appositionsaugen, sie vermögen jedoch das Licht weit besser zu sammeln und sind daher den Nachtfaltern zu eigen. Das Größenverhältnis der Augen zum übrigen Körper ist bei Insekten besonders auffällig, dies kommt daher, dass infolge der physikalischen Eigenschaften der Lichtwellen- und -teilchen der Verkleinerung der Augen Grenzen gesetzt sind. Je kleiner die Augen, d.h. je weniger Omatidien - umso undeutlicher wird das Bild, die Insekten könnten mit noch kleineren Augen weder auf Nahrungssuche gehen noch Fraßfeinde erkennen. Die großen Augen der Libellen sind z.B. aus rund 30.000 Omatidien zusammengesetzt, wobei noch angemerkt werden soll, dass unterschiedliche Bereiche des Auges unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Die mittig angeordneten Omatidien sind für bessere Sehschärfe verantwortlich, die außen angeordneten Omatidien eignen sich besser zum Erkennen von Bewegungen. Das Licht muss durch die Cornea (Linse) gerade in die Omatidie einfallen, ansonsten wird es reflektiert. Danach wird das Licht im Kristallkegel gebündelt und durch das Rhabdom weitergeleitet. Das Rhabdom bildet das Zentrum der Sehzellen, hier treffen die eingedrungenen Photonen auf Photo-Rezeptoren(*siehe unten), von welchen pro Omatidie je ein Bildpunkt neuronal zum Gehirn übertragen wird. Immer noch sind viele Fragen über die Sehfähigkeit der Insekten ungeklärt, so zB hat man noch keine Ahnung davon, wie exakt Insekten Objekte auf längere Distanz wahrnehmen.

(* Rezeptoren sind Empfänger für Reizimpulse, man unterscheidet zwischen Photo- Chemo- und Mechanorezeptoren. Sie wandeln empfangene Reize in elektrische Energie um und verstärken sie.)
 

 

Darstellung einer Omatidie

 

Der Geruchssinn der Insekten ist ebenfalls gut ausgebildet und funktioniert über die Fühler. Manche Nachtfalter der Spinnerfamilie können sogar noch ein einzelnes in der Luft enthaltenes Geruchsmolekül wahrnehmen. Sie besitzen rund 30.000 Chemo-Rezeptoren, davon entfallen etwa 75 % zur Erkennung von artspezifischen weiblichen Pheromonen (Duft-Lockstoffe). Wofür die restlichen Rezeptoren dienen, ist noch nicht ausreichend erforscht. Es hat sich herausgestellt, dass - wenn nur ein Prozent der Geruchsrezeptoren einen Impuls empfangen - die Wahrnehmung eines Spinners reagiert, was sich mit Flügelschwirren bemerkbar macht. Hingegen benötigt ein Mensch Impulse von rund 50 % aller Rezeptoren, um eine Geruchswahrnehmung auszulösen.

Auch das Gehör ist bei den meisten Insekten außerordentlich gut entwickelt, sie nehmen Geräusche über Sinneshaare, Haarschuppen und spezielle Membrane wahr, welche einen durch Luftschwingung erzeugten Reiz an die Muskeln und Sehnen weiterleiten. Daraus lässt sich folgerichtig erkennen, dass auch der Tastsinn hochentwickelt sein muss. Die Sinneshaare sind am Körper elastisch verankert und reagieren somit auf Luftschwingungen, ja selbst auf Luftdruckschwankungen - das Haar bewegt sich bzw. wird geknickt und spricht damit einen Mechano-Rezeptor an. Nachtfalter sind somit in der Lage, die Annäherung von Fraßfeinden wahrzunehmen und entsprechend zu reagieren, sie hören sogar die im Ultraschall-Bereich liegenden Ortungsrufe von Fledermäusen. Manche Nachtfalterarten haben im Laufe der Evolution die Fähigkeit entwickelt, selbst Geräusche zu erzeugen und sie als "Störsignal" gegen die Ortungsrufe der Fledermäuse zu benutzen. Die Geräusche des Totenkopfschwärmers können sogar vom Menschen wahrgenommen werden - er bringt bei Bedrohung bzw bei Berührung einen hörbaren Pfeif- oder Quietschlaut hervor.

 

Besonders bemerkenswerte Sinnesorgane der Schmetterlinge (siehe oben) sind deren Fühler. Es gibt eine große Vielfalt an Fühlerformen und es sollte erwähnt werden, daß sich sogar die Fühler von männlichen und weiblichen Faltern der gleichen Art unterscheiden können. Die Fühler dienen dem Falter in erster Linie dazu, den Duftspuren der Weibchen nachzufolgen. Aus diesem Grund sind insbesonders die Fühler von männlichen Schmetterlingen der Spinnerfamilie auffallend ausgeprägt. Sie sind imstande, ein Weibchen aus mehreren Kilometern Entfernung zu orten. Im Folgenden sollen die Fühler des Nagelflecks (Aglia tau) vorgestellt werden:

(Fotos aufgenommen durch ein Mikroskop Typ Nikon 102 mittels Olympus C-3000 ZOOM-Digitalkamera)

Abbildung oben: ein Fühler eines Nagelfleck-Männchens. Er ist blattförmig oval und antennenartig gekämmt, während die Fühler der Nagelfleck-Weibchen fadenförmig zur Spitze hin dünn auslaufend geformt sind. Gehen wir etwas näher heran, so erkennen wir den Stiel mit den regelmäßigen Knoten, von denen jeweils gegenständig und paarweise die einzelnen behaarten Antennen abzweigen. Damit kann der Falter die weiblichen Pheromone orten. Bei noch stärkerer Vergrößerung des gleichen Fühlers lässt sich bereits die Anordnung der Fühlerborsten erkennen, welche so beschaffen ist, dass mit ihrer Hilfe die Luft optimal nach Geruchsspuren gefiltert werden kann.

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