Aktualisierungsdatum: 14 September, 2006.
Thaumetopoea processionea Eichenprozessionsspinner
![]() |
![]() |
| Die Raupen fressen systematisch ein Blatt nach dem anderen bis auf die Blattrippen ab | Eine kleinere Kolonie während der Tagesruhe |
![]() |
![]() |
| Bei Einbruch der Dämmerung verlassen die Raupen ihre Gespinste und wandern in die Baumkronen zur Nahrungssuche. | Verlassenes Raupennest mit den Hüllen, welche nach der Häutung zurückbleiben. |
| Die Raupen des
Eichenprozessionsspinners leben im klimatisch wärmeren Ostösterreich auf
Eichen, Ahorn, Buchen und noch verschiedenen anderen Laubbäumen.
Tagsüber verharren sie gruppenweise ruhig auf Zweigen oder an der
Baumrinde. Nach Einbruch der Dämmerung ziehen sie in einer langen Reihe -
manchmal sogar in Zweierreihen in die Baumkronen um zu fressen.
Diese Raupen sollten nicht berührt werden, da ihre feinen Härchen
giftig sind und bei Hautkontakt juckende Pusteln wie von Gelsenstichen
verursachen. Angeblich sollen sie bei Allergikern sogar Asthma-Anfälle
verursachen, da die Härchen bei Wind oft in der Luft verbreitet werden und
dann eingeatmet werden . Nach meinen eigenen Beobachtungen treten die
Pusteln bereits dann auf, wenn man nur in die Nähe der Raupen gelangt.
Nicht die langen Haare sind gefährlich, sondern die dazwischen wachsenden
kurzen Haare, welche sie bei Bedrohung sogar absondern können. |
|
|
Massenvermehrung des Prozessionsspinners (Thaumetopoea processionea)
In der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre kam es in Ostösterreich zu einer Massenentwicklung des Prozessionsspinners. Ganze Bäume, ja sogar Wälder wurden von den Raupen buchstäblich kahlgefressen. Forstbehörden reagierten darauf, indem sie aus Flugzeugen Insektizide über den befallenen Wäldern versprühten. Selbstverständlich machen Insektizide nicht vor unschädlichen Insekten halt, sondern rottet diese Methode alles aus, ob schädlich oder nützlich. Auf den Artenschutz wurde dabei nicht Bedacht genommen. Lediglich die privaten Waldbesitzer hatten wenig Möglichkeiten zur Bekämpfung und setzten wenig bis gar keine Maßnahmen gegen die Raupenplage ein. Seltsamerweise reproduzierten sich die Tierchen im darauffolgenden Jahr nicht so stark weiter, wie vermutet wurde. Im übernächsten Jahr war die Population des Prozessionsspinners wieder auf die normale Vorkommensdichte reduziert. Wie aber ist das möglich? Ich hatte die Gelegenheit, von Käfer-Spezialisten bei ihren Begehungen in "giftfreie" Wälder mitgenommen zu werden und machte eine erstaunliche Entdeckung: im Jahr nach des Massenauftrittes des Prozessionsspinners kam es zu einem Massenauftreten des Laufkäfers Calosoma inquisitor, auch Raupenkäfer bzw Puppenräuber genannt. Diese Käfer hatten sich offenbar deshalb so stark vermehrt, weil sie überaus reichlich Nahrung vorfanden. Den ganzen Sommer über konnte man bei jeder Exkursion tausende dieser Käfer beobachten. In Gegenden, wo der Prozessionsspinner nicht vorkommt, sind die Raupenkäfer überaus selten und konnte ich im Zeitraum von 5 Jahren lediglich 1 Exemplar der Spezies Calosoma inquisitor auffinden. Im darauffolgendem Jahr - also zwei Jahre nach der Raupeninvasion war die Populationsdichte sowohl der Raupen wie auch der Käfer bereits wieder im gewohnten Rahmen. Dies könnte als Hinweis für die Selbstregulation in der Insektenwelt gewertet werden. 15 Jahre nach der ersten Beobachtung der Raupenplage führte ich abermals Begehungen des gleichen Waldes durch, wobei ich die damals befallenen Bäume kontrollierte. Die dazu ausgewählten Eichen waren markante und starke Bäume, welche mittels Handskizze und Wegbeschreibung dokumentiert waren. Diese hatten offenbar keinen Schaden genommen. Es fielen keine abgestorbenen Bäume auf, auch war die Belaubung normal. Bei einigen Bäumen waren wiederum Prozessionsspinnerraupen vorhanden, zwar mehrere Nester pro Baum, jedoch in geringerer Anzahl als beim ersten Auftreten. Diesmal konnte ich einige Käfer der Art Calosoma sycophanta feststellen. Es handelte sich jeweils um etwa 5 - 10 Stück, also kein Massenauftreten, was möglicherweise mit dem geringeren Raupenvorkommen zu tun hatte. In den Jahren 2003 - 2005 kam es wieder zu einem vermehrten Auftreten von Prozessionsspinnerraupen, daß sogar die Medien darüber berichteten. Betroffen waren vor allem Wien und Umgebung sowie einige Gegenden im Burgenland, auch in der Umgebung von Eisenstadt. Ich werde den Verlauf der Raupenentwicklung beobachten und weiterhin darüber berichten. |
|